Stellungnahme der DÄGAM zu aktuellen Medienberichten über Ashwagandha
In jüngster Zeit wurde in verschiedenen Medien erneut über mögliche Risiken von Ashwagandha (bot.: Withania somnifera) berichtet, unter anderem im Magazin Focus unter Bezugnahme auf Warnungen von Verbraucherschützern. Hintergrund sind vor allem neue Risikoeinschätzungen zu verschiedenen pflanzlichen Substanzen durch die niederländische RIVM-Behörde (https://www.rivm.nl/en/news/rivm-advises-against-using-products-containing-herbs-huperzia-serrata-tabernanthe-iboga-or)
Die Deutsche Ärztegesellschaft für Ayurveda-Medizin e.V. (DÄGAM) nimmt dies zum Anlass, ihre Stellungnahme zu Ashwagandha von 2025 um aktuelle Aspekte zu ergänzen.
Die im Focus-Artikel aufgegriffenen Hinweise auf mögliche gesundheitliche Risiken – insbesondere im Zusammenhang mit Leberfunktion, hormonellen Effekten und unspezifischen Nebenwirkungen – entsprechen im Kern bereits bekannten Diskussionen, wie sie unter anderem auch durch Veröffentlichungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) angestoßen wurden.
Aus Sicht der DÄGAM ist hervorzuheben, dass diese Berichte nicht ausreichend zwischen unterschiedlichen Produktqualitäten, Pflanzenteilen und Anwendungsformen differenzieren. Dadurch kann in der öffentlichen Wahrnehmung der Eindruck entstehen, es handele sich um ein einheitliches Risikoprofil der Pflanze insgesamt.
Wie bereits in der vorangegangenen Stellungnahme dargelegt, ist für die Bewertung von Ashwagandha die Bedeutung von Qualität der Produkte und die verwendeten Pflanzenteile entscheidend:
In der ayurvedischen Tradition sowie in der regulierten Anwendung in Europa wird seit vielen Jahrzehnten ausschließlich die Wurzel therapeutisch verwendet. Für diese liegen umfangreiche traditionelle Erfahrungen sowie internationale Bewertungen ohne spezifische Sicherheitsbedenken vor.
Demgegenüber deuten neuere Fallberichte und Diskussionen darauf hin, dass unerwünschte Wirkungen – z.B. im Bereich des Leberstoffwechsels – möglicherweise mit der Verwendung anderer Pflanzenteile oder nicht ausreichend geprüfter Extrakte in Zusammenhang stehen.
Ein wesentlicher Aspekt der Patientensicherheit besteht daher darin, dass innerhalb der Europäischen Union nur Produkte auf Basis der Wurzel verkehrsfähig sind und der Bezug über seriöse Anbieter (z. B. Apotheken) erfolgt.
Die DÄGAM begrüßt grundsätzlich eine kritische Auseinandersetzung mit möglichen Risiken pflanzlicher Präparate mit Patientensicherheit als zentralem Bewertungsmaßstab. Auch Phytotherapeutika sind wirksame medizinische Substanzen und sollten entsprechend verantwortungsvoll eingesetzt werden.
Im Sinne der Patientensicherheit sind zu berücksichtigen: Individuelle Risikofaktoren (z.B. Vorerkrankungen, Medikation); Sicherstellung von Qualität und Standardisierung der Präparate, angemessene Dosierung und Anwendungsdauer
Ein zentraler Punkt in der gesamten Diskussion ist aus Sicht der DÄGAM die Einordnung von Ashwagandha als phytotherapeutisch wirksame Substanz und nicht als beliebiges Lifestyle- oder „Wundermittel“. Die DÄGAM rät von unkritischer Selbstmedikation ab.
Die DÄGAM empfiehlt deshalb: 1) Der Einsatz von Ashwagandha sollte stets indikationsbezogen und zielgerichtet erfolgen, 2) die Anwendung sollte unter fachkundiger ärztlicher Begleitung erfolgen, 3) eine unkontrollierte Selbstmedikation ist somit zu vermeiden und 4) die Ettikettierung von Ashwagandha-Präparaten sollte den Inhalt als „Radix Withaniae somniferae“, also das Wurzeplulver, anzeigen.
Die aktuellen Empfehlungen internationaler Behörden unterstreichen die Notwendigkeit einer differenzierten Bewertung pflanzlicher Produkte.
Zusammenfassende Bewertung der DÄGAM zur aktuellen Ashwagandha-Berichterstattung:
Ashwagandha ist eine seit Jahrtausenden verwendete Heilpflanze mit grundsätzlich gutem Sicherheitsprofil bei sachgerechter Nutzung und auch innerhalb der EU seit fast einem halben Jahrhundert in Anwendung
Die aktuell diskutierten Risiken betreffen nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht primär die traditionell verwendete Wurzel.
Ein wesentlicher Beitrag zur Sicherheit liegt im Bezug qualitativ geprüfter Produkte aus seriösen Quellen.
Die Anwendung sollte als therapeutische Maßnahme unter fachkundiger Begleitung erfolgen.